Work-Life-Balance – Zwei Leben im Gleichgewicht

Von Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader am 22. November 2017 um 18:02

Gastbeitrag von Hesse/Schrader: Büro für Berufsstrategie

Work-Life-Balance ist nichts anderes als das Gleichgewicht zwischen der Zeit und den Werten, die Sie mit Ihrem Arbeitsleben verbinden, und der Zeit und den Werten in Ihrem Privatleben. Das ist gar nicht so einfach umzusetzen, wie die zunehmenden Erkrankungen durch Stress zeigen. Allgemeines Problem: Für das Privatleben, Familie, Freunde und Sport bleibt immer weniger Zeit. Selbst das Burnout-Syndrom oder Tinnitus sind schon lange keine typischen Managerkrankheiten mehr. Treffen kann es jeden, der permanent unter Stress steht und keine Möglichkeit hat, sich ihm zu entziehen.

Dabei gibt es einfache Mittel, Privat- und Arbeitsleben in Einklang zu bringen. Denn die Zeit, die man bei der Arbeit verbringt, wird oft nicht effektiv genutzt. Man verzettelt sich oder wird durch ungünstig gelegte Termine behindert. Durch ein geeignetes Stress- und Zeitmanagement können Sie sich zumindest ein paar kleine Zeitinseln sichern, die Sie nur für Ihr persönliches Wohlbefinden nutzen können.

Sogar in Unternehmen gewinnt eine optimale und arbeitskraftschonende Work-Life-Balance an Bedeutung. Denn ein sich selbst ausbeutender Mitarbeiter, der zwar in bester Absicht handelt, wird seinem Unternehmen mangels Kreativität und Leistungsfähigkeit nicht dauerhaft zur Verfügung stehen können und ist daher mit einem hohen Ausfallrisiko behaftet.

Ausgewogen im Privatleben

Ist Ihre Work-Life-Balance ausgewogen? Um das herauszufinden, sollten Sie sich alle Werte aufschreiben, die Ihnen im Privatleben wichtig sind, z. B. Anerkennung, gesellschaftlicher Status, Partnerschaft, soziales Engagement etc. Notieren Sie sich dann Ihre Ziele, die Sie erreichen wollen, beispielsweise ein verlässlicher Partner zu sein, Vorbild für Ihre Kinder, Weiterbildung, die Welt zu sehen etc. Formulieren Sie nur die Ziele, die machbar sind, und das möglichst konkret. Vergleichen Sie nun Werte und Ziele und prüfen Sie, welcher Wert zu welchem Ziel gehört. Wenn ein Wert kein Ziel hat oder ein Ziel keinen dazugehörigen Wert, ist Ihr Leben nicht in der bestmöglichen Balance. Prüfen Sie, ob Sie daran etwas ändern wollen oder nicht. Manchmal steht das Privatleben ja bewusst hinter der Karriere zurück, um ein höheres Ziel zu erreichen. Aber in den Fällen, in denen sich dieses Ungleichgewicht ohne Ihre Absicht eingeschlichen hat, empfiehlt es sich, etwas dagegen zu unternehmen.

Kampf den Zeitfressern

Wie gut nutzen Sie eigentlich Ihre Zeit? Wenn Sie sich notieren, wie viel Zeit Sie für jede Ihrer Tätigkeiten brauchen, werden Sie herausfinden, welche Tätigkeiten „Zeitfresser“ sind. Wenn Sie bestimmte Tätigkeiten zusammenfassen, gleichzeitig verrichten oder sie anders organisieren, haben Sie oft schon Zeit gewonnen. Vielleicht können Sie manche Erledigungen an Ihre Familie oder Freunde abtreten und sich an anderer Stelle dafür revanchieren. Vielleicht haben Sie auch mehr Zeit für viele Dinge eingeplant als wirklich notwendig ist.

Pure Energie: Ihr Privatleben

Wie wichtig Ihre Freizeit, Ihre Interessen und Ihre persönlichen Ziele sind, werden Sie spätestens dann merken, wenn Sie Ihr Leben ohne Arbeit verbringen. Es ist wichtig, sich seinen Hobbys zu widmen und seine anderen Talente zu pflegen, da sie sonst verkümmern.
Im Idealfall können Sie die freigewordene Zeit zu einem zusammenhängenden Block bündeln, den Sie nur für sich nutzen. Verabreden Sie sich mit sich selbst, mit Ihrer Familie und mit Freunden, halten Sie diese Verabredung unbedingt ein und seien Sie zu dieser Zeit ganz bei der Sache. Spürt Ihre Familie, auch wenn die Zeit nur für ein ausgedehntes Frühstück reicht, dass es dann nur um sie geht und Sie ganz auf ihre Belange eingehen, wird sie für Ihren beruflichen Zeitaufwand sicher mehr Verständnis aufbringen. Außerdem motiviert Sie eine konkrete Verabredung, bis dahin effizient zu arbeiten. Machen Sie verbindliche Termine zum Kino, Theater, Sport oder zum Essen. Und lassen Sie keine Ausrede gelten und räumen Sie Ihren privaten Interessen die gleiche Wichtigkeit wie beruflichen Dingen ein.

Fit in Körper und Geist

Ein wesentlicher Punkt einer befriedigenden Work-Life-Balance ist der gesundheitliche Aspekt. Nur wenn Sie körperlich fit bleiben, sind Sie auf Dauer dem Berufsstress gewachsen. Treiben Sie Sport, ernähren Sie sich gesund und achten Sie – gerade bei einem stressigen Job – auf die Alarmsignale Ihres Körpers. Das betrifft übrigens nicht nur ältere Menschen. Auch junge Menschen sind immer häufiger anfällig für ernste Erkrankungen, die auf Stress zurückzuführen sind. Keine Ausreden! Jeder kennt den stärksten Feind – den inneren Schweinehund. Überwinden Sie die Selbstlüge, zum Sport zu müde zu sein oder nicht genügend Kraft dazu zu haben. Wissenschaftlich ist längst bewiesen, wie Sie Ihre Vitalität durch regelmäßige Bewegung mobilisieren und damit Ihrem gesamten Wohlbefinden auf die Sprünge helfen können. Sie müssen nicht gleich Hochleistungssport betreiben, aber weiterhin gültig bleibt die Binsenweisheit, dass sich Regen auch Segen bringt.

Work-Life-Balance im Beruf

Da der meiste Stress im Berufsalltag entsteht, gibt es dort auch ausreichende Möglichkeiten, etwas für Ihre Work-Life-Balance zu tun. Identifizieren Sie Ihre „Zeitfresser“.

Setzen Sie Prioritäten

Teilen Sie die anstehenden Aufgaben in Kategorien von A = „sehr wichtig, sehr eilig“ bis hin zu D = „nicht wichtig, nicht eilig“ ein. Machen Sie sich einen Zeitplan, den Sie so erstellen sollten, dass Sie die Zeit, in der es erfahrungsgemäß am ruhigsten ist, für die A-Aufgaben zur Verfügung steht und erledigen Sie Ihre B- und C-Aufgaben so rechtzeitig, dass sie gar nicht erst zu einer A-Aufgabe werden.

Kollegen – Fluch und Segen

Erbitten Sie sich für wichtige Angelegenheiten Ruhe, damit Sie nicht ständig aus der Konzentration gerissen werden. Ständiges Telefonklingeln und Zwischenfragen der Kollegen sind die zwei Faktoren, die effizientes, schnelles Arbeiten oft unmöglich machen.
Lehnen Sie Anfragen von Kollegen („Könnten Sie das eben mal…“) freundlich ab, wenn es nicht passt und bieten Sie ihnen Ihre Hilfe zu einem anderen Zeitpunkt an – was Sie dann auch tun sollten. „Kollegenpflege“ setzt übrigens ungeahnte Kräfte frei. Sie müssen sich ja nicht mit ihnen anfreunden, aber ein gutes Betriebsklima kann Ihnen das Gefühl nehmen, dass Ihre Arbeit hauptsächlich Belastung ist.

Gute Verbindung: Arbeit und Vergnügen

Haben Sie einen Job, in dem Sie viel Zeit für das Knüpfen und Pflegen von Kontakten aufbringen müssen, können Sie sie so gestalten, dass sie nicht nur lästige Pflicht sind. Organisieren Sie z. B. ein Rahmenprogramm, das nicht nur Ihrem Geschäftsfreund, sondern auch Ihnen Spaß macht, wählen Sie ein Lokal für ein Geschäftsessen aus, in das Sie immer schon einmal gehen wollten. Da Sie nicht nur über Geschäftliches reden werden, erfahren Sie vielleicht, dass Ihr Geschäftsfreund ein ausgefallenes Hobby hat, in Ländern war, die Sie interessieren oder sonst einen spannenden Gesprächsstoff zu bieten hat. So können Sie die Pflicht mit dem Angenehmen verbinden und haben auch noch Pluspunkte bei Ihrem Gegenüber gesammelt.

Vorfahrt für Freizeit

Hätten Sie gerne mehr Zeit für sich? Hierfür bestehen heute viele moderne Arbeitszeitmodelle, die den veränderten Arbeitszeitbedürfnissen entgegen kommen. Bitten Sie Ihren Chef, wenn Sie mehr Freizeit wollen, um eine Änderung Ihres Arbeitsvertrags bezüglich Ihrer Arbeitszeit. Besprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Kollegen eine allgemein akzeptable Lösung und präsentieren Sie sie Ihrem Chef mit der Zusage, dass Sie ihm trotz kürzerer Arbeitszeit nach wie vor mit derselben Motivation zur Verfügung stehen werden.

Es gibt inzwischen einige, auch sehr namhafte Unternehmen, die die Prinzipien der Work-Life-Balance in ihre Firmenphilosophie aufgenommen haben. Gehört Ihre Firma noch nicht dazu, können Sie Ihren Chef vielleicht mit Ihrem Anliegen und einer einleuchtenden Begründung dafür interessieren.

Gönnen Sie Ihrem Unternehmen Work-Life-Balance – und profitieren Sie!

Die Umsetzung der Work-Life-Balance in den beruflichen Alltag erfordert eine völlige Veränderung in Ihrer bisherigen Einstellung zur Arbeitsorganisation. Übliche Arbeitszeitmodelle müssen umstrukturiert und Aufgaben übernommen werden, die vorher nicht zum Betriebsalltag gehört haben. Was in Ihren Augen zunächst nur organisatorischer und finanzieller Mehraufwand sein mag, ist in Wirklichkeit eine lohnende Investition in die Zukunft. Ihre Mitarbeiter werden wegen ihrer Entlastung, weniger Stress und eines stabileren Privatlebens mehr Arbeitszufriedenheit und Motivation entwickeln. Das fördert die Leistung und den Umsatz Ihres Unternehmens. Zum anderen sinken die Kosten, die Sie für dauererkrankte Mitarbeiter aufbringen müssen.

Arbeit individuell gestalten

Der erste Schritt für ein Unternehmen ist, seine Mitarbeiter nach ihren Wünschen und Vorstellungen bezüglich ihrer Arbeitszeit und Gestaltung ihrer Arbeit zu fragen, und diese Wünsche zu koordinieren. Ein Nachteil mag sein, dass dieses Modell der individuellen Arbeitszeiten ein hohes Maß an Absprache erfordert. Aber man schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Steigert dies nämlich die Motivation und fördert die Kommunikation innerhalb eines Teams. Der Informationsfluss wird schon zwangsläufig funktionieren, weil sich die Mitarbeiter bei jedem Wechsel auf den neuesten Stand bringen und über ihre geleisteten Aufgaben informieren müssen.

Stechuhr adé – Arbeitszeitmodelle der Zukunft

Folgende Modelle sind denkbar: Das Teilzeit- und das Gleitzeit-Modell sind seit vielen Jahren bekannt und werden erfolgreich praktiziert. Bei der immer besser werdenden elektronischen Datenübermittlung ist auch die Telearbeit von zu Hause aus ein beliebtes Modell. Das Prinzip von Arbeitszeit-Konten basiert darauf, dass vorgearbeitete Überstunden und Minusstunden auf einem Konto gesammelt werden. Sie können dann Ihren Mitarbeiter für die Dauer dieser angesammelten Zeit freistellen. Beim Job-Sharing teilen sich zwei Mitarbeiter einen Job. Das hat für Sie den Vorteil, dass Sie mehrere für diese Position qualifizierte Mitarbeiter haben. Dieses Job-Sharing funktioniert übrigens auch auf saisonaler Basis. Das sogenannte „Sabbatical“ oder „Sabbatjahr“ ist eine bis zu zwölf Monaten dauernde Auszeit, in der sich Ihr Mitarbeiter ganz auf sich konzentrieren und Ihnen dann im Anschluss wieder voll zur Verfügung stehen kann. Es kann über ein Arbeitszeitkonto abgerechnet oder bei Vertragsabschluss schon mit einer geringeren Vergütung abgegolten werden. Sie müssen über ein „Sabbatical“ rechtzeitig Bescheid wissen, damit Sie sich um eine qualifizierte Vertretung kümmern können.

Mutter und Kind: gut für den Betrieb

Ein Arbeitgeber der seinen Mitarbeitern die Möglichkeit der Kinderbetreuung anbietet, was zum Beispiel über Betriebskindergärten oder durch Unterstützung von Elterninitiativen funktioniert, bindet diese damit – im besten Sinne – langfristig an sein Unternehmen. Denn dadurch wird den Mitarbeitern die Organisation ihres Familienlebens enorm erleichtert.

Wellness im Büro

Besonders wichtig für die Work-Life-Balance sind gesundheitsfördernde Maßnahmen in einem Unternehmen. Das kann von der Einrichtung firmeninterner Fitnessstudios bis hin zum Einsatz von mobiler Massage am Arbeitsplatz reichen. Eine geeignete Maßnahme ist auch die Umstrukturierung von Arbeitsplätzen nach gesundheitsbewussten Aspekten – sowohl für körperliche als auch für geistige Tätigkeiten.

Mit Beispiel voran

Sind Sie bereits in einer Führungsposition? Dann sollten Sie als bezüglich Ihrer eigenen Work-Life-Balance mit gutem Beispiel vorangehen. Erstens wird es Ihnen persönlich gut tun, zweitens werden Sie sehen, dass Ihr Unternehmen auch eine Zeitlang ohne Sie auskommt. Und drittens werden Sie bereits selbst gemerkt haben, dass Sie der Verantwortung, die Sie tragen, am besten in flexiblen Arbeitszeitmodellen gerecht werden, da die Arbeit immer mehr auf Projektbasis basiert und dadurch Arbeitszeiten langfristig kaum mehr traditionell regelbar sind. Durch den hohen Leistungsdruck sind Sie auf gelegentliche Ruhezeiten angewiesen, wenn Sie nicht ebenfalls, wie viele Ihrer Kollegen in den Führungsetagen, an einem Burnout-Syndrom erkranken wollen.

Sie können – als Chef oder als Mitarbeiter – sich, Ihrem Unternehmen, Ihren Mitarbeitern und Ihrem privaten Umfeld eine lange, lohnenswerte, gemeinsame Zeit garantieren, indem Sie Ihr Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben optimal gestalten.